
Vorhofflimmern ist die häufigste Rhythmusstörung beim Menschen. Hierbei überspielen schnelle unregelmäßige Impulse in den Herzvorhöfen den eigentlichen Taktgeber des Herzens, den Sinusknoten, und es kommt durch wechselnde Überleitung dieser Impulse auf die Herzhauptkammern zu unregelmäßigem Pulsschlag. In Deutschland sind hiervon ca. 2,5 % der Bevölkerung betroffen, dies entspricht etwa 2 Mio. Menschen. Die damit verbundenen Beschwerden sind sehr variabel und reichen von Beschwerdefreiheit bei mehr als der Hälfte der Ereignisse bis zu schwerer Beeinträchtigung der Lebensqualität mit unangenehmer Wahrnehmung der Rhythmusstörung selbst bis zu hierdurch bedingter Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Dies tritt vor allem bei schnell auf die Herzhauptkammern übergeleiteten und länger bestehendem Vorhofflimmern auf, welches die Kraft des Herzmuskels bis zur schweren Funktionsstörung beeinträchtigen kann. Die Gefährlichkeit des Vorhofflimmerns besteht vor allem darin, dass durch die Schnelligkeit der elektrischen Erregung in den Herzvorhöfen keine geordnete Kontraktion dieser Vorhöfe stattfindet und durch die eingeschränkte Blutströmung es dort zur Bildung von Blutgerinnseln, sogenannten Thromben kommt. Wenn diese Thromben aus dem Herzen ausgeschwemmt werden, verstopfen sie Schlagadern – wenn dies im Kopf geschieht, lösen sie einen Schlaganfall aus. Das Risiko für ein derartiges Ereignis steigt mit gewissen Kriterien an. Hierzu gehören neben Alter und Geschlecht auch Herzschwäche (Herzinsuffizienz), Bluthochdruckerkrankung (Hypertonie), Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Erkrankungen der Schlagadern und ein bereits durchgemachter Schlaganfall.
Vorhofflimmern durchläuft im Laufe seiner Entwicklung mehrere Phasen. Zunächst tritt es spontan auf und endet spontan wieder nach Minuten, Stunden bis zu wenigen Tagen; wir sprechen von paroxysmalem Vorhofflimmern. Im weiteren Verlauf endet es nicht mehr von selbst, dies bezeichnet man als persistierendes Vorhofflimmern, welches durch medizinische Maßnahmen beendet werden muss, einer sogenannten Kardioversion (Gabe vom Medikamenten oder Verabreichung eines elektrischen Impulses unter Kurznarkose). Permanentes Vorhofflimmern beschreibt eine Situation, bei der die Rhythmusstörung dauerhaft besteht und keine Maßnahmen mehr getroffen werden, um einen normalen Rhythmus wiederherzustellen. Wie schnell die Entwicklung von einer Phase in die nächste übergeht, variiert sehr individuell, ebenso wie die Häufigkeit der Anfallsepisoden. Die Diagnosestellung erfolgt nach Erhebung der Krankengeschichte und körperlicher Untersuchung durch die Anfertigung eines EKG. Gelegentlich kann die Rhythmusstörung nur in einem Langzeit-EKG erfasst werden.
Die Behandlung des Vorhofflimmerns ist abhängig von der Phase der natürlichen Entwicklung, der Häufigkeit des Auftretens und den damit verbundenen subjektiven Beschwerden und objektiven (durch medizinische Untersuchung erhobenen) Befunden. Für alle Patienten ist je nach individuellem Schlaganfallsrisiko die Einleitung einer Therapie mit „Blutverdünnung“ (orale Antikoagulation) erforderlich, wobei neben dem seit langer Zeit etablierten Phenprocoumon (Marcumar®) mehrere „neue“ Substanzen (sogenannte „direkte orale Antikoagulantien“) Anwendung finden. Die Medikation mit Plättchenhemmern wie Acetylsalicylsäure (ASS® und andere) ist in der Wirkung nicht ausreichend.
Die weitere Behandlung verfolgt zwei mögliche Strategien. Eine Strategie ist die Rhythmuskontrolle. Hier ist das Ziel die Aufrechterhaltung bzw. Wiederherstellung des normalen Herzrhythmus durch Kardioversion mit nachfolgenden Maßnahmen zur Stabilisierung, dem Erhalt des sogenannten Sinusrhythmus. Die Alternative heißt Frequenzkontrolle. Hier akzeptiert man das Vorhofflimmern und setzt Medikamente ein, um die Rhythmusstörung nicht zu schnell werden zu lassen.
Um diese Strategien umzusetzen, stehen eine Reihe von Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, wie verschiedene Medikamente, die elektrische Kardioversion, Herzkathetermaßnahmen („Verödung“ = Ablation, in erster Linie Pulmonalvenenisolation) und in seltenen Fällen der Einsatz von Herzschrittmachern.
Das Universitätsklinikum Erlangen ist Partner der interventionellen Kardiologie der Steigerwaldklinik in Burgebrach.
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Interventionelle Kardiologie
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